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Was ist Freundschaft?

Eine Frage, die ich mir schon ein Leben lang stelle. Ich tat mich immer schwer damit, Menschen "Freunde" zu nennen.
Im Kindergarten/Grundschule waren da einige Kinder, mit denen ich mich auch öfter mal getroffen habe - sobald ich da weg war, hatten sich diese Kontakte aber erledigt.
Hätte ich diese Kinder damals als "Freunde" bezeichnet? Womöglich schon... immerhin gab es damals auch noch dieses tolle "Freundebuch" und da standen einige drin :-D.

Auf der weiterführenden Schule wurde es schon schwieriger. Ich verstand mich mit einigen Leuten, aber ich glaube da war schon großartig nichts mehr mit sich verabreden.
Mir ist nur eine Person im Kopf geblieben, die ich damals als "beste Freundin" bezeichnet hätte - wir haben uns regelmäßig z.B. zum zocken und zeichnen getroffen, das war toll, bis sie sich dann eher andere Hobbies/Freunde gesucht hat und das Ganze sich verlief.
Ich glaube der Rest meiner Schulbekanntschaften waren eher Zweckbeziehungen - wir hatten nicht wirklich was gemeinsam, aber ich hatte zumindest eine Gruppe, wo ich dazugehören konnte.
Wenn ich so drüber nachdenke, waren das wohl auch Freunde, weil wir uns doch ab und zu mal getroffen haben, aber ich denke das ging auch eher von den Anderen aus und ich selbst wäre auch (außerhalb der Schule) mit mir allein klar gekommen :). Leute mit gleichen Interessen habe ich damals auch schon eher übers Internet gesucht, aber die wohnten eben natürlich nicht in der Nähe und so war der Kontakt meist schriftlich und auch nichts, was ich als wirkliche Freundschaft beschreiben würde.

Nunja an der Uni (und danach) habe ich noch zahlreiche Menschen kennengelernt. Mit einigen habe ich sogar sehr viel Zeit verbracht und das war auch schön, aber irgendwie war das dann doch oft schneller erledigt als gedacht. Ich glaube, ich fand es auch immer komisch, mich alleine mit bestimmten Leuten zu treffen, obwohl ich gerade das vielleicht gebraucht hätte, um eine tiefere Bindung aufzubauen. Im Endeffekt würde ich sagen, ist davon nichts mehr übrig geblieben; die letzten Kontakte, die ich noch hatte, wollte ich aus verschiedenen Gründen nicht fortführen und die meisten wohnen einfach weit weg. Wenn sich dann jemand mal spontan zu Besuch angekündigt hat, fühlte ich mich irgendwie verunsichert, weil man sich so lange nicht gesehen hat.

Ich glaube, Freundschaften sind mir einfach zu kompliziert.
Ich bin schnell verunsichert und ich bin einfach auch zu gerne alleine, sodass ich vielleicht schneller Kontakte aufgebe, wenn ich das Gefühl habe, es passt gar nicht so richtig.

Wenn ich darüber nachdenke, wie viele "Freunde" (oder "gute Freunde) ich in meinem Leben hatte, mit denen ich das Gefühl hatte, über alles reden zu können (und dass das Gegenüber das auch interessiert), dann kann ich die locker an einer Hand abzählen. Und dennoch war dann irgendwann Funktstille.

Wie geht es euch mit Freundschaften, bzw. wie würdet ihr das definieren?

Kommentare

  • Eine Frage, die auch mich seit einiger Zeit beschäftigt.
    Danke Smilla, dass du diesen thread eröffnet hast!

    Vieles, was du beschreibst, kenne ich auch.
    Vor allem die Anzahl der FreundInnen - die kann auch ich an einer Hand abzählen.

    Und ich finde das gut. Denn um einen guten, wie tiefsinnigen Kontakt zu mehr Menschen zu pflegen, würde mir wohl die Energie fehlen.

    Freundschaft - so habe ich heute wieder gelernt - hat für mich viel mit Loyalität zu tun. Wenn die irgendwann nicht mehr vorhanden war, ist so einige Freundschaft, die ich hatte, zerbrochen.

    Ich kenne auch das Phänomen, dass sich Freundschaften mit der Zeit verlieren weil man einfach zu weit weg voneinander wohnt und sich nicht ausreichend oft sehen kann.

    Und dann habe ich tatsächlich Freundschaften zu Menschen, die ich schon sehr lange kenne. Die ich zwar nicht oft sehe, aber daran glaube, dass wenn wir uns wieder treffen, wir dort anknüpfen könnten, wo wir waren.

    Ich habe heute Früh eine sehr interessante Podcastfolge zu genau diesem Thema gehört. Bei Interesse kann ich sie gern verlinken.

    Dort war auch die Rede davon, ab wie viel gemeinsam verbrachter Zeit man von Freundschaft spricht und ob eine Verbindung dann trägt.

    Wie viele Freunde man hat, liegt ja auch an der Definition.
    Ich unterscheide tatsächlich zum einen zwischen Familie und Freunden. Doch auch Freunde können zu Familie werden. Wahlfamilie. Und wenn das passiert/ich dieses Gefühl habe, dann nenne ich mir Bekannte meine Freunde.

    Freundschaft ist für mich (inzwischen) wandelbar. Mal verbringt man mehr Zeit miteinander, mal weniger. Doch man ist sich auch aus der Ferne verbunden. Vertraut. Im Sinne von „man kennt sich“ aber auch mit der Bedeutung, dass man sich vertraut.

    Vertrauen schenke ich sozusagen als Vorschuß. Das muß nicht erst verdient werden. Doch es kann verloren gehen.

    Ich prüfe mittlerweile gründlicher, wer in den Kreis meiner Freunde aufgenommen wird.

    Wer dabei ist und keinen groben Unfug (mit mir) treibt, wird mich so schnell nicht wieder los. Auch soviel kann ich schon einmal verraten :)

    Und ganz wichtig: Freundschaften wollen gepflegt werden.
    (Auch außerhalb von Messengerdiensten - das andere Thema, welches mich seit einiger Zeit beschäftigt).

  • Ein sehr interessantes Thema, zu dem es wohl viele und sehr unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen gibt.
    Ich erlebe Freundschaft genau so, wie es Enjoythesilence ausgeführt hat.
    Freundschaft ist eine Verbindung, die auch dann Bestand hat, wenn man sich lange nicht sieht, liest, hört. Ich fühle sie wie ein inneres Band, das sehr nachhaltig wirkt.
    Dennoch, sie will auch gepflegt werden. Bei Freund*innen fühle ich mich gut aufgehoben und geborgen, eine Freundschaft trägt mich auch durch dunkle Zeiten.
    Freundschaft ist etwas anderes als eine Seilschaft. Das habe ich auch erlebt - habe die Absicht der Seilschaft lange nicht durchschaut. Zurückgeblieben ist bei mir das Gefühl, dass ich benutzt wurde.

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